|
.. Als ich 1980 im Einführungsblock der Krankenpflegeschule erstmals von der Hospizbewegung hörte, habe ich noch ganz naiv
geglaubt, dies sei nichts besonderes, dies sei überall so. Erst später mußte ich die bittere Wahrheit erkennen, daß diese Werte und Einstellungen wohl nur dort in dieser Form „gelebt“ wurden und werden.
2001 durfte ich nach langem Zweifeln ein Praktikum im Johannes-Hospiz der Barmherzigen Brüder in München absolvieren,
sah mich dort dann aber erstmals mit Arbeitsbedingungen konfrontiert, welche meine Anschauungen, meine Ideologie und meine Motiviation diesen Beruf zu wählen, in Reinform widerspiegelten. Von da an war für mich
klar, wo meine berufliche Bestimmung liegt.
Nach knapp 25 Jahren Krankenhauserfahrung, als Fachpfleger für Anästhesie und Intensivmedizin auch in den Bereichen,
welche die „Apparatemedizin“ repräsentieren, war das Umorientieren dann auch immens mühsam.
War es zuvor sehr oft so, daß viele Patienten mit in absehbarer Zeit zum Tode führenden Krankheiten über die
Erkrankung nicht informiert waren, daß Eingriffe und Operationen erfolgten, welche eigentlich der kurativen (= heilenden) Medizin zugeordnet werden könnten, daß Patienten wiederbelebt wurden, welchen damit die
Möglichkeit eines friedlichen Todes genommen wurde, daß die Schmerztherapie nur selten den Bedürfnissen angepasst war, daß Begleitsymptome wie Übelkeit, Atemnot, Verstopfung, nur selten optimal therapiert
waren, durfte ich nun erleben, wie ich glaube, daß es sein sollte.
In der Verwendung der Begriffe Patient und Gast sehe ich persönlich keinen Unterschied, weil ich ohnehin an einer
Betreuung orientiert bin, welche ich meinen Angehörigen, oder auch mir selbst angedeihen lassen würde.
Aus der Hospizliteratur hat mich folgende Aussage besonders geprägt: Low tech, high touch (wenig Technik, viel
Berührung – auch mental). Hier kommt auch besonders deutlich der Unterschied zwischen Intensivstationen und einer Palliativbetreuung zum Ausdruck.
Wer gewohnt ist, nach festen Arbeitsabläufen, welche in einem Krankenhaus wohl aber auch dringend geboten sind, zu
arbeiten, muß gehörig an sich arbeiten, um nun andere Prioritäten zu setzen. Muß ich den Patienten wirklich nach der Uhr lagern, wenn dies dessen Lebensqualität mindert? Muß ich ihn zum Frühstücken, zur
Medikamentenverabreichung, zum Abführen, zum Baden wecken? Müssen Eingriffe, Therapien und Operationen durchgeführt werden, welche eigentlich heilenden, nur weniger lindernden Charakter haben?
Wenn ich früher nach dem Notfallkoffer zu rennen hatte, kann ich nun beim Sterbenden verbleiben. Ich habe viel öfter
als auf normalen Krankenstationen die Gelegenheit den Sterbenden in dieser Phase anzutreffen. Auf Intensivstationen wird nicht „heimlich“ oder unbemerkt gestorben, Überwachungsapparate alarmieren unverzüglich,
der Blick zum EKG wird nun ersetzt durch Beobachtung, Wahrnehmung.
Die sehr oft segensreiche Fortentwicklung der (Apparate-) Medizin hat dort ihre Berechtigung verloren, wo heilen nicht
mehr möglich, nur noch Linderung möglich ist. Diese ist dann aber auch ohne jede Abstriche zu gewähren. Nicht ohne Grund spiegeln sich in Patientenverfügungen diese Lebenseinstellungen und Werte vieler Menschen
wieder.
Unerträglich ist es, wenn ⅔ der Bevölkerung in einer großen Umfage die aktive Sterbehilfe befürworten. Die Antwort muß
sein:
Keine Sterbehilfe
mehr Palliativwissen
Keine Sterbehilfe
Schmerzen nehmen
Keine Sterbehilfe
Unnötiges unterlassen
Keine Sterbehilfe
Zuwendung ... ...
|